Persönlicher Geschmack versus Schicki-Micki-Gequatsche – oder: Weinprobe im kleinen Kreis, also quasi im ganz Kleinen – nämlich für sich ganz alleine

Geht es Ihnen auch so? Sobald Sie den Begriff „Weinprobe“ hören oder lesen, tauchen in Ihrem Kopf Gläser schwenkende, schlürfende, skeptisch dreinguckende Personen auf, die den Schluck Wein auf der Zunge Boogie tanzen lassen, dabei die Augen geschlossen haben – um den Schluck anschließend wieder auszuspucken?

Das ist nicht nur Kopfkino, so sehen sie oft wirklich aus, die vielen „Weinkenner“. Und ehrlich gesagt: Mir sind sie auch suspekt und in den allermeisten Fällen halte ich es für wichtiges Getue. Keine Frage, es mag vielerorts Sinn machen – aber in meinen Augen eben keinen Eindruck.

Meine Empfehlungen: einfach den Wein trinken, schmecken, riechen und genießen „lernen“.

Als ich früher auf Weinfesten gearbeitet habe, hielt ich das Gehabe ums Weinglas für übertrieben – und diese Meinung ist geblieben. Was mich jedoch inzwischen überzeugen konnte und „gepackt“ hat, ist, dass der Duft eines Weines, seine Farbe eine Hommage an den Genuss ist.

Wenn Sie dem Wein „auf die Pelle“ rücken, ihn verstehen möchten – wenigstens besser als noch im Moment –, dann lassen Sie sich auf seine Facetten ein, öffnen Sie die Augen und das Herz.

Legen Sie sich ein Weintagebuch zu

Besorgen Sie sich ein „Weintagebuch“ und schenken ihm schon beim Einbinden das, was auch ein Wein braucht: Zeit. Wählen Sie ansprechendes Einbindepapier und zelebrieren Sie die Geburtsstunde von Ihrem neuen Weinbegleiter.

Und jetzt: Trinken Sie! Nach Weinländern, Rebsorten – Fangen Sie einfach an.

Kaum jemand macht sich Notizen zu den Weinen, die er trinkt. Schade, denn dadurch gehen ihnen mit Sicherheit wichtige Informationen verloren. Oder wissen Sie noch, wie der leckere Wein vor drei Jahren in dem einen Restaurant da, irgendwo in der Eifel hieß? Notieren Sie daher in Stichpunkten, was Sie getrunken haben und welcher Anlass es war.

Schreiben Sie alles in Ihren eigenen Worten auf. Versuchen Sie gar nicht erst, es anderen gleichzumachen, denn in ein paar Wochen würden Sie es ohnehin nicht mehr nachvollziehen können. Schreiben Sie aber „saulecker, vielleicht ein wenig zu süß, aber auf der Sommerterrasse irgendwie genau richtig“ – oder „bahhh, war der übel…“. So können Sie die Notizen besser nachvollziehen. Natürlich ist auch alles dazwischen ausdrücklich erwünscht.
Versuchen Sie, „gleiche“ Weine von verschiedenen Winzern aus verschiedenen Anbauregionen zu trinken und im Weintagebuch zu notieren, was Ihnen an Unterschieden oder Gemeinsamkeiten aufgefallen ist. Beispielsweise welche Eigenschaften jeweils dominierten.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man oft denkt, es gäbe im Umkreis keine aktuellen Verköstigungstermine – vielleicht haben Sie einen übersehen. Schreiben Sie uns gerne und wir helfen Ihnen beim Suchen. Eventuell haben Sie Glück und es gibt in Ihrer Nähe auch Weinseminare, Weinbergführungen und Kelterkurse.

Und wenn alles klappt, werden wir schon bald eine umfangreiche Datenbank zur Verfügung stellen.

Tipps zu den Notizen

  • Welche Assoziationen lieferte der Duft direkt nach dem Entkorken?
  • Gab es einen Unterschied, nachdem Sie ihn im Glas etwas geschwenkt haben. Roch er dann anders?
  • An was erinnerte Sie die Farbe?

Das Wichtigste beim Weintagebuch

Denken Sie bei all Ihren Einträgen ins Weintagebuch: Es ist Ihres, Sie alleine entscheiden, was Sie aufschreiben – um Ihre Sinne zu schulen, nicht um es von anderen bewerten zu lassen.

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