Es ist der beste Wein ever, ever, ever: der funkelnde Rotwein, den man an der kleinen Bar am Préveli Beach auf Kreta getrunken hat; der rassige Weiße, in dem man auf den Holzplateaus von Dimjay in der Türkei hätte versinken können; der, der das Glas mit dem Geschmack unendlicher Freiheit füllte, als man beim Blick aufs offene Meer auf der Reling stand.

Es ist ein sehr faszinierender Wein: der Urlaubswein.

Urlaubswein wird überall angebaut – und nirgends. Er vereint alle, wirklich alle Aromen der Weinvielfalt. Sicher hat jeder schon diese Erfahrung gemacht: Dieser Wein, getrunken an einem klapprigen Balkontisch des Ferienhotels, schmeckte ganz wunderbar. Er verzauberte dadurch, dass er Kultur, Land & Leute, Sehnsucht auf die Zunge brachte – und erstaunlicherweise war es vollkommen egal, wie und ob er temperiert war. Er verzauberte so sehr, dass er als Urlaubssouvenir im Koffer nach Hause landete, mindestens eine Flasche – pro Koffer und Tasche versteht sich. Er verzauberte durch seinen Ort, an dem er getrunken wurde, nicht durch seinen Geschmack.

Wieder zurück und voller Vorfreude auf dieses Glas Urlaubsgefühl…schmeckt er einfach grauenhaft. Großer Schreck und Verwunderung: Was ist passiert? Hat er die Flughöhe nicht überstanden. Wurde er zu sehr gerüttelt? Alles Grübeln zwecklos, denn: Dieser Wein schmeckt nur im Urlaub – da, wo das Gefühl stimmt.

Es sind nicht die Reben, nicht die Ausbauvariante und schon gar nicht der Preis – denn auch der billigste Billigfusel kann am Strand jeden ausgezeichneten Spitzenwein in den Schatten stellen…wenn es denn einen gibt, einen Schatten. Es ist der Augenblick, der für den Geschmack verantwortlich ist.

So schade, so wertvoll ist diese Tatsache zugleich. Denn für einen Urlaubswein hat jeder “Wein” Potenzial. Egal, ob beerig oder nussig, ob mildes Understatement oder kräftige Würze, ob elegante Glasflasche oder Tetrapak. Das ist eben das Phänomen Urlaubswein.

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