Kein Abschied auf der Welt fällt schwerer als der Abschied von der Macht. (Charles Maurice de Talleyrand, 1754-1838)

Sicher anders gedacht und dennoch ein sehr passendes Zitat, denn für uns “macht” der Korken den Wein.

Ein Bordeaux in einer Flasche mit Schraubverschluss? Wer noch vor wenigen Jahren diesen Vorschlag gemacht hätte, der wäre “verjagt” oder im besten Fall ausgelacht worden. Doch die Zeiten haben sich geändert – denn heute ist es kein Frevel mehr, einen Wein in eine Flasche zu füllen, die der Weinfreund aufschrauben muss.

Jeder Weintrinker hat mindestens einen Korkenzieher zu Hause, im Auto, im Gepäck auf Reisen und hat sich dennoch vielleicht schon das eine oder andere Mal darüber geärgert, mangels Korkenzieher und verrückter Öffnungsideen keine Flasche Wein trinken zu können. Diese Zeiten sind vorbei, bis auf wenige Ausnahmen werden auch Qualitätsweine mehr und mehr mit einem Schraubverschluss versehen. Schon 2010 hatten 80% der in Deutschland gekelterten Weinflaschen einen Schraubverschluss, 2014 sollen es schon 90% sein.

Viele Winzer haben nach einem Mittelweg gesucht und gehen Kompromisse ein: Sie verschließen besondere Jahrgänge mit einem Korken, die leichten Weißweine wie einen Müller-Thurgau oder einen Silvaner dagegen mit Schraubverschluss.

Der Wein kann in einer Flasche ohne Korken ebenso reifen – da bestehen keine Unterschiede. Der Schraubverschluss war früher ein Synonym für billige Weine, aber dieses Image existiert schon lange nicht mehr. Im Gegenteil: Besonders die leichten spritzigen Weißweine sind im Trend, wenn sie mit einem praktischen Drehverschluss geöffnet und auch einfach wieder verschlossen werden können.

Mit den Schraubverschlüssen verhält es sich unter Weintrinkern ebenso wie mit den Metalltanks, die seit geraumer Zeit augenscheinlich das Barrique verdrängen möchten. Die Empörung war groß, als die ersten Weine in Metallbehältern gelagert wurden, letztendlich haben sich aber sogar passionierte Weintrinker daran gewöhnt. Ebenso geht es jetzt dem Naturkorken, der langsam, aber stetig seinen Abschied nimmt, und dem irgendwann keiner mehr nachtrauert!? Vielleicht nicht geschmacklich – aber das “Plopp”, dieses Zelebrieren beim Öffnen, beim Riechen – uns wird es fehlen.

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