Weinlagerung – ein Thema, das zum Weinen bringt.

Wenn man sich viel mit Wein beschäftigt, dann entwickelt man natürlich nicht nur ein ganz eigenes Geschmacksprofil. Man beginnt auch, sich nicht nur durch Rebsorten, Anbaugebiete und Jahrgänge „durchzutrinken“, sondern sich mit Wein und Weinbau ganz trocken – im Sinne von theoretisch – zu beschäftigen. Es macht Spaß, etwas über die Geschichte dieses Kultur-Getränkes zu erfahren, Keltervorgänge besser zu verstehen und auch ein bisschen in die Vermarktung von Weinen hineinzuschnuppern. Wer schon mal ein und denselben Wein aus unterschiedlich geformten Gläsern und unterschiedlich temperiert getrunken hat – ja, der entwickelt so etwas wie Gefühle für einen Wein.

Dem Wein näherzukommen, sich in dieser Hinsicht zu bilden, ist zu einer Leidenschaft von mir geworden. Bloß an einem Thema scheitere ich sehr häufig. Ich bin mir immer wieder unsicher, ob ich einen Wein lagern kann. Und wenn ja, wie lange ich das ohne Qualitätsverlust wagen sollte.

Das geht Euch ähnlich? Oder habt Ihr Euch bislang noch nicht so richtig mit dieser Frage beschäftigt? Na, dann kann ich Euch immerhin ein paar Tipps mit in den Weinkeller geben, was ihr NICHT allzu lange aufbewahren solltet.

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© SplitShire – pixabay.com

Klare Sache, dass alle Weine, die ganz jung auf den Markt kommen, auch ganz frisch und schnell getrunken werden wollen. Viele dieser Kandidaten erkennt man bereits am Namen. Das gilt zum Beispiel für den Heurigen und für den Novello, für den Primeur und den Nouveau. Aber auch Federweißer und Sturm sind Bezeichnungen für junge Weine, die zum schnellen Verbrauch bestimmt sind. Natürlich kann man auch diese Weine kurzfristig ein paar Wochen lagern. Schlecht werden sie davon nicht, aber auch nicht besser.

Genau das aber, also eine größere Reife und eine damit einhergehende Qualitätssteigerung, ist ja der Sinn des Lagerns.

Doch zurück zum Sofortgenuss. Alles, was preisgünstig bis billig in den Verkauf kommt, hat – so sage ich mal ganz frech – nicht das Potenzial für einen längeren Aufenthalt im Weinkeller. Wer von einem Grillfest oder einer Party Kartonwein übrig hat, wer „Land-“ oder „Tafelwein“ gebunkert hat, der sollte schnell die Gläser polieren und einschenken. Denn solche Tropfen machen nur Freude, wenn man sie jung und unkompliziert „wegtrinkt“.

Längere Lagerung, also alles ab etwa drei Monaten, nimmt solchen Weinen den Esprit und macht traurig. Jedenfalls mich. Das gilt übrigens auch für Roséweine – und zwar ganz unabhängig davon, was man dafür gezahlt hat. Selbst teure Flaschen sollten flugs entkorkt oder aufgeschraubt werden. Im Weinkeller haben sie garantiert nichts zu suchen. Was dort hingehört, das besprechen wir beim nächsten Mal.

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