Wie schmeckt eigentlich Wein aus Russland? Vor einigen Jahren haben Weinkenner noch dankend abgelehnt, wenn ihnen ein Glas russischer Wein angeboten wurde, so sauer und unbekömmlich schmeckte der Wein aus dem flächenmäßig größten Land der Erde. Das war allerdings zu Zeiten des Eisernen Vorhangs, als Russland noch fest in kommunistischer Hand war. Die Zeiten haben sich nicht nur politisch geändert, auch was den Wein aus Russland angeht, hat sich einiges getan.

In Russland wird Wodka getrunken und bestenfalls noch der süße Sekt von der Krim, was Wein angeht, lebte Russland in einer Art Diaspora. Dabei stand die ehemalige UDSSR mal auf Platz fünf der internationalen Weinnationen. Das was allerdings in den 1950er Jahren, als der Weinanbau von der Regierung noch nach Kräften gefördert wurde. Leider waren die Anbauflächen zu gering, die Böden zu nährstoffarm und die Temperaturen zu kalt. Trotzdem wurde der Wein aus heimischem Anbau ein Erfolg, aber nur auf nationaler Ebene, denn ein Verkaufsschlager wurden die sauren Weine nicht. Nach dem Zusammenbruch der UDSSR lag der Weinanbau lange Zeit brach, bis sich die Winzer Hilfe aus dem Ausland holten und internationale Önologen empfahlen, künftig frostresistente Rebsorten anzupflanzen.

Heute hat man in Russland damit begonnen, statt der bislang sehr trockenen Weine auch andere Rebsorten anzupflanzen. Rund 80 % der Weine, die aus Russland kommen, sind halbtrocken bis süßlich, sie sind zwar bekömmlicher als die früheren Versuche, aber sie können beim besten Willen nicht als Qualitätsweine bezeichnet werden.

Sieben von zehn Weinherstellern in Russland stellen „billigen“ Wein her, der in Tetra Packs verkauft wird. Bei einer genauen Untersuchung stellte sich heraus, dass der Inhalt der Packs nur noch mit Mühe und Not als Wein bezeichnet werden konnte. Mit diesen Weinen kann man international nicht viel anfangen. Noch wollen die Winzer aber nicht aufgeben und in aktuellen Weinführern ist zu lesen, dass es mittlerweile 55 Weine von 13 Weinherstellern gibt. Russische Sommeliers sind der Meinung, dass es nicht mehr lange dauert, bis der russische Wein richtig durchstartet. Lassen wir uns überraschen.

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