Über 80 % Japans bestehen aus Gebirge, weite Ebenen fehlen völlig, und da der Boden sehr felsig ist, könnte man meinen, dass Weinanbau im Land der aufgehenden Sonne kein Thema ist. Auch die unterschiedlichen Klimazonen des Inselstaats sprechen nicht gerade für den Anbau von Reben – umso erstaunlicher ist es, dass aus Japan hervorragender Wein kommt, kommen kann.

Es gibt zwei verschiedene Geschichten, wie der Wein nach Japan kam. Zum einen gibt es die Legende um einen Heiligen, der im 8. Jahrhundert nach Christus im Daizenji-Tempel in Yamanashi auf der Insel Honshu Reben eingepflanzt hat. Bis heute ist die Region mit 30 modernen Betrieben eines der großen Weinanbaugebiete des Landes. Das ist die Legende. Geschichtlich verbrieft ist allerdings, dass buddhistische Mönche überall im Land Reben gepflanzt haben, aber die Weine, die gekeltert wurden, lediglich zur Herstellung von Arzneimitteln dienten. Im 15. Jahrhundert kamen die Portugiesen ins Land und mit ihnen der Rotwein, der als Geschenk für die Samurai gedacht war. Die Samurai fanden Gefallen an diesem neuen Getränk und begannen, ihrerseits einheimische Rebsorten zu pflanzen, erst 1875 wurde den Winzern erlaubt, auch Reben aus dem Ausland zu pflanzen.

Heute werden neben einheimischen Rebsorten auch viele Sorten aus Europa und den USA angebaut. Vor allem in den Regionen Okayama, Osaka, Yamagata, Nagano und Yamanashi, die alle auf dem gleichen Breitengrad wie die Mittelmeerregionen liegen, wird ein erstklassiger Wein angebaut, der selbst Weinkenner aus Frankreich immer wieder verblüfft. Die Japaner selbst sind, was den Wein angeht, echte Patrioten, denn die eigenen Rebsorten Drachenauge und Koshu sind sehr beliebt. Wer in einem japanischen Geschäft Wein kaufen will, der kann am Etikett erkennen, ob es sich um einen inländischen handelt, den „Kokiunai san“ oder um einen im Fass importierten Wein, den „Yunyu san“.

Auch wenn der Wein in Japan boomt und eine Art Modegetränk geworden ist, an erster Stelle in der Beliebtheitsskala steht nach wie vor Sake, der Wein aus Reis.

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