England gilt nicht grade als das Mutterland der feinen Küche, und Weinkenner sind der Meinung, wer Wein aus England trinkt, der könnte auch gleich Essig trinken. Wenn der Wein einen so schlechten Ruf hat, dann stellt sich natürlich die Frage: Warum pflanzen die Engländer auf ihrer Insel überhaupt Wein an? Weil sie experimentierfreudig sind? Weil sie ihr Bier satthaben? Die Antwort ist einfach, sie haben in Wales und im Süden des Landes fast perfekte Bedingungen für den Anbau von Wein und sie nutzen den warmen Golfstrom, der für ein mildes Klima sorgt, um Trauben anzubauen.

Gut, groß ist die Auswahl nicht und es ist der bekannte und beliebte Müller-Thurgau, der besonders gerne angebaut wird, denn diese Rebensorte ist nicht so anspruchsvoll. Spannender ist die Geschichte, wie sich der Weinanbau innerhalb eines Jahrzehnts entwickelt hat. Streng genommen hat England schon vor Jahrhunderten Wein angebaut, aber die Winzer waren bis 1950 meist betuchte Senioren aus der „Upperclass“, die zum Zeitvertreib Wein in ihren Gärten angebaut haben. Heute sind es professionelle erfahrene Winzer, die sich um den Wein aus England kümmern. Und wenn es vor zehn Jahren nur 1.000 Hektar Anbaufläche waren, so arbeiten sie heute daran, England einen Platz unter den Weinnationen in Europa zu sichern – ob das wohl gelingen wird?

Auf jeden Fall nimmt England den Auftrag guten Wein anzubauen sehr ernst, und auch wenn die Kapazitäten vielleicht nie die sein werden, wie man sie aus Frankreich, Italien oder Deutschland kennt, beim Versuch edle Weine zu produzieren und keine Weine, die durch ihre Säure beeindrucken, schlagen sich die Briten tapfer.

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